Teil des LOOLiversums
Spiri-Bubble
Dieses Buch ist nichts für dich,
wenn du deine Spiritualität schönreden willst.
Aber wenn du spürst,
dass irgendwas daran nicht stimmt...
lies es.
Das hier ist kein spirituelles Buch.
Das ist ein Realitätscheck.
Die Anti-Goldtüten-Akademie
Kein Blender-Bullshit.
Für Menschen, die noch Resthirn besitzen.
Satire mit Rückgrat – klar, scharf und menschlich.
Ein Buch über Rollen, Muster, Selbstdarstellung und den glänzenden Unsinn, den wir uns gegenseitig verkaufen.
Goldtütenfreie Zone.
Manche Dinge fühlen sich im Alltag einfach falsch an – und man bekommt trotzdem erklärt, dass alles „im Rahmen“ sei.
Hier sammle ich Texte über genau diese Momente: humorvoll, klar, ohne Namen.
Nicht zum Meckern. Sondern zum Erkennen. Und zum Durchatmen.
Willkommen. Hier gibt es Neues . 👇
Goldtüte Kategorie:
Selbstzertifizierte Wirklichkeit™
„Wenn Realität erst gilt, wenn sie ins Formular passt.“
Es gibt große Organisationen, die haben etwas entdeckt, das so praktisch ist, dass man sich fragt, warum wir es nicht schon im Kindergarten eingeführt haben:
Sie bestimmen selbst, ab wann ein Problem ein Problem ist.
Nicht wann es passiert.
Nicht wie es sich für Menschen anfühlt.
Sondern wann es offiziell zählt.
Und das ist ein kleiner, feiner Unterschied – ungefähr so klein wie ein Elefant im Wartezimmer.
Das System funktioniert so:
Du erlebst etwas.
Es ist doof.
Es kostet Zeit, Nerven, Geld, Lebenslust und die letzten zwei stabilen Synapsen.
Und dann sagt die Organisation:
„Das ist nicht doof. Das ist innerhalb unserer Definitionen.“
Aha.
Dann ist ja alles gut.
Ich hatte kurz Angst, meine Realität sei real.
Denn Realität ist in großen Strukturen nicht das, was passiert.
Realität ist das, was man als Ereignis anerkennt.
Und anerkannt wird erst, was sich statistisch nicht mehr wegschminken lässt.
Ein Klassiker ist dieses Prinzip:
„Verspätung beginnt erst ab X.“
Nicht, weil Zeit plötzlich anders fließt.
Sondern weil darunter das Wort „Entschädigung“ nervös zu husten anfängt.
Und ab da wird’s wirklich poetisch:
Die Stelle, die nicht liefert, entscheidet auch, wann sie nicht geliefert hat.
Das ist wie wenn der Koch dir einen verbrannten Toast serviert und sagt:
„Verbrannt gilt erst, wenn er spricht.“
Oder wenn du beim Arzt sitzt und er meint:
„Tot sind Sie erst ab Mittwoch. Bis dahin sind Sie nur vorübergehend sehr still.“
Das Geniale ist:
Es ist nicht mal gelogen.
Es ist einfach… umdefiniert.
Das nennt sich dann nicht „Scheitern“, sondern „Abweichung im Betriebsablauf“.
Nicht „zu wenig“, sondern „Grundversorgung“.
Nicht „Ausfall“, sondern „Einschränkung“.
Nicht „wir kriegen’s nicht hin“, sondern „technisch bedingt“.
Und „technisch bedingt“ heißt übersetzt: „Irgendwas ist immer.“
Und wenn du sagst:
„Moment, ich bezahle doch für X – und bekomme Y“,
dann bekommst du das heilige Konzern-Mantra serviert:
„Das ist so definiert.“
Wundervoll.
Dann definiere ich ab heute auch.
Ich definiere ab heute selbst, ab wann ich pünktlich bin.
Pünktlich ist alles bis 53 Minuten nach Termin.
Das ist nicht unpünktlich – das ist eine zeitliche Komfortzone.
Ich definiere auch, ab wann eine Rechnung bezahlt ist.
Bezahlt ist sie ab dem Moment, in dem ich sie innerlich akzeptiert habe.
Alles andere wäre Premium-Zahlung.
Ich definiere ab heute, ab wann ich etwas nicht kann.
Unfähig bin ich erst, wenn es sich in einem PowerPoint-Diagramm zeigt.
Davor bin ich leistungsfähig mit variabler Ergebnisqualität.
Und wenn das jemand kritisiert, sage ich ruhig und souverän:
„Das ist innerhalb meiner Definitionen.“
So entsteht eine Welt, in der alles irgendwie läuft –
solange man keine echten Maßstäbe benutzt.
Wie z. B. Verabredungen.
Oder Verträge.
Oder Zeit.
Oder Logik.
Also dieses ganze überbewertete Zeug.
Goldtüte Kategorie: Selbstzertifizierte Wirklichkeit™
Außen Hochglanz. Innen Luft.
Und als Beilage ein Regelwerk, das dir freundlich erklärt,
dass du dich bitte erst dann ärgern darfst, wenn es offiziell erlaubt ist.
FAQ der selbstzertifizierten Wirklichkeit™
FAQ – Häufig definierte Fragen
F: Ab wann ist etwas kaputt?
A: Sobald es sich nicht mehr elegant umformulieren lässt.
F: Ich habe ein Problem. Was nun?
A: Bitte prüfen Sie, ob Ihr Problem bereits als Problem klassifiziert wurde. Falls nicht: Glückwunsch. Dann haben Sie offiziell keins.
F: Warum bekomme ich weniger als vereinbart?
A: Sie bekommen nicht weniger. Sie bekommen eine Basis-Erfahrung. Für das volle Erlebnis empfehlen wir ein Upgrade auf „Realität Plus“.
F: Ich warte seit Stunden.
A: Das ist keine Wartezeit. Das ist eine „aktive Erwartungsphase“. Sie sind Teil eines Prozesses. Fühlen Sie sich bitte wertgeschätzt.
F: Ich habe einen Nachteil.
A: Wir nennen das „Kundenerlebnis mit Entwicklungspotenzial“.
F: Wer entscheidet das alles?
A: Wir. Aber nur im Rahmen unserer Definitionen. Und die definieren wir. Transparenz ist uns wichtig.
F: Und wenn ich mich beschwere?
A: Dann wird Ihr Anliegen erfasst, priorisiert, kategorisiert, weitergeleitet, geprüft, neu definiert und anschließend in eine Warteschleife gelegt, in der Zeit nicht zählt.
Goldtüten-Checkliste: Erkennungsmerkmale der Selbstzertifizierten Wirklichkeit™
Wenn du eines oder mehrere dieser Symptome siehst, raschelt es sehr wahrscheinlich im Konzern-Goldtütenwald:
1) „Das ist so definiert.“
Übersetzung: „Wir gewinnen, weil wir das Regelheft geschrieben haben.“
2) „Im Rahmen unserer Möglichkeiten.“
Übersetzung: „Wir könnten mehr – aber wir möchten nicht.“
3) „Technisch bedingt.“
Übersetzung: „Irgendwas ist immer, also ist nie jemand schuld.“
4) „Das ist eine Einzelfall-Situation.“
Übersetzung: „Passiert häufig, aber wir sagen’s nicht laut.“
5) „Wir können Ihren Ärger verstehen.“
Übersetzung: „Wir haben ihn registriert und legen ihn jetzt in die Schublade ‘menschliche Geräusche’.“
6) „Da sind wir leider nicht zuständig.“
Übersetzung: „Das Problem ist real, aber bitte tragen Sie es in ein anderes Universum.“
7) „Das System zeigt…“
Übersetzung: „Wenn unsere Daten etwas anderes sagen als Ihre Augen, sind Ihre Augen unzuverlässig.“
8) „Wir haben keinen Fehler festgestellt.“
Übersetzung: „Wir haben gesucht, bis wir aufhören wollten.“
9) „Bitte haben Sie Verständnis.“
Übersetzung: „Bitte übernehmen Sie kostenlos den Teil unserer Arbeit, den wir gerade nicht leisten.“
10) „Das ist Standard.“
Übersetzung: „Wir nennen es Standard, damit es nicht nach Mangel klingt.“
11) „Sie bekommen die Grundversorgung.“
Übersetzung: „Sie zahlen Premium, erhalten aber die Basis – und sollen dankbar sein.“
12) „Wir haben das an die Fachabteilung weitergegeben.“
Übersetzung: „Ihr Anliegen wandert jetzt in ein Labyrinth mit Minotaurus und ohne Ausgang.“
13) „Wir melden uns.“
Übersetzung: „Vielleicht. In einer Zeitzone, die wir selbst definieren.“
14) „Das ist ein bekanntes Problem.“
Übersetzung: „Wir kennen es so gut, dass wir beschlossen haben, damit zu leben.“
15) „Dafür gibt es leider keine Entschädigung.“
Übersetzung: „Es ist schlimm genug, um echt zu sein – aber nicht schlimm genug, um uns Geld zu kosten.“
Goldtüten-Endgegner-Indikator (bitte Helm aufsetzen)
Wenn ein Satz fällt wie:
„Für die volle Leistung empfehlen wir ein Upgrade.“
…und du denkst: „Das ist exakt das, was ich bereits bezahle.“
Dann ist es keine Panne mehr. Dann ist es Goldtüte mit Absicht.
Stempel: Goldtüte Kategorie Selbstzertifizierte Wirklichkeit™
Beilage: Ein Lächeln, das sagt: „Sie können das gern anders empfinden.“ 😇
Wenn du beim Lesen genickt, gelacht oder innerlich „JAAAA“ gerufen hast: Willkommen in der Anti-Goldtüten-Akademie – da warten noch mehr Entlarvungen. (im Shop) 😉
Goldtüte Kategorie:
Preis stabil. Inhalt flexibel.
Neulich stand ich im Supermarkt vor einer Packung Ware und hatte kurz das Gefühl, ich sei aus Versehen in einem Casino gelandet.
Auf der Verpackung stand kein klares Gewicht mehr.
Da stand:
85–110 g = x €
Aha.
Das ist also kein Produkt mehr.
Das ist Glücksspiel mit Inhalt.
Man kauft nicht mehr 125 Gramm Ware.
Man kauft eine Wahrscheinlichkeitsspanne.
Vielleicht bekommst du:
– 110 g → Jackpot, heute gönnt dir das Leben Gramm.
– 97 g → Solide Mittelklasse, wir nennen es „ausgewogen“.
– 85 g → Pech gehabt. Aber hey: Preis war stabil.
Und jetzt kommt der Punkt, an dem man den Schwindel liebevoll an der Krawatte packen darf:
Das wird nicht gemacht, weil man plötzlich Gramm nicht mehr messen kann.
Das wird gemacht, weil „Preis stabil“ besser aussieht als „teurer“.
Wenn man die Packung kleiner macht, aber den Preis gleich lässt, merkt’s jede:r.
Das heißt Shrinkflation, und das klingt so unsympathisch, wie es ist.
Also macht man es eleganter:
Man verkauft dir keinen klaren Inhalt mehr, sondern einen Toleranzbereich.
Und plötzlich ist das, was früher „zu wenig“ war, nur noch „innerhalb der Range“.
Du zahlst den fixen Preis –
und wenn du die 85-Gramm-Realität erwischst, ist das kein Nachteil, sondern… Schicksal. Produktionsbedingt. Natur. Mondphase. Irgendwas.
So wird aus einer Preiserhöhung ein kleines Ratespiel, bei dem du automatisch mitspielst, weil du essen willst.
Die neue Logik lautet:
Der Preis ist fix.
Der Inhalt variabel.
Und die Verantwortung wird so lange verdünnt, bis sie als Getränk durchgeht.
Stell dir vor, wir würden das überall so machen:
Dein Gehalt liegt diesen Monat zwischen
1.800 € und 2.400 €.
Überraschung! Produktionsbedingt.
Dein Zug kommt zwischen
pünktlich und „wir melden uns“.
Das ist innerhalb der Definitionen.
Und wenn du fragst, warum das so ist, kommt der Satz, der immer kommt:
„Das ist so deklariert.“
Wundervoll.
Dann deklariere ich ab heute auch:
Meine Miete liegt zwischen
0 und 1.200 €.
Der genaue Betrag ergibt sich aus atmosphärischen Einflüssen und dem Mondstand.
Und meine Geduld liegt zwischen
„höflich“ und „Stirn an Regal“.
Abweichungen sind kundenbedingt.
Natürlich gibt es Produktionsschwankungen. Klar.
Aber der Trick ist:
Man macht aus Schwankung ein Geschäftsmodell.
Und legt das Risiko dahin, wo es am bequemsten ist: zu dir.
Goldtüte Kategorie:
Preis stabil. Inhalt flexibel.
Außen ordentlich etikettiert.
Innen variable Wirklichkeit.
Und irgendwo ein Sternchen, das sagt:
„Abweichungen sind produktionsbedingt. Ihr Gefühl von Verarschtwerden ist optional.“
🛒 Mini-Checkliste
Woran du „Preis stabil. Inhalt flexibel.“ erkennst
☑️ Auf der Verpackung steht eine Spanne statt einer Zahl
(„85–110 g“, „ca.“, „mindestens“, „je nach Charge“)
☑️ Der Preis ist fix, der Inhalt nicht
(Planungssicherheit – nur leider nicht für dich)
☑️ Ein Sternchen erklärt, warum alles okay ist
(„produktionsbedingt“, „natürliche Schwankungen“, „im Rahmen der Toleranz“)
☑️ Die Grundpreisangabe ist schwer zu finden
(oder so klein, dass man sie nur mit Lupe und Restgeduld entziffert)
☑️ Der niedrigste Wert der Spanne entspricht ziemlich genau
dem, was früher als zu wenig gegolten hätte
☑️ Du merkst es erst nach dem Kauf
(Überraschung! Heute gibt’s die 85-Gramm-Realität.)
☑️ Dein Gefühl sagt: „Das ist doch irgendwie schräg“
→ Herzlichen Glückwunsch, du bist wach.
Stempel: Goldtüte Kategorie
Preis stabil. Inhalt flexibel.
❓ Mini-FAQ
Häufig flexible Fragen
F: Warum steht da eine Spanne und kein fixes Gewicht?
A: Damit der Preis hübsch bleibt, auch wenn weniger drin ist.
F: Ist das erlaubt?
A: Ja. Es steht ja drauf. Transparenz ist, wenn man vorher weiß, dass man hinterher nicht weiß, was man bekommt.
F: Geht das nicht auch anders?
A: Doch. Man könnte den Preis anpassen. Aber das sieht halt unschön aus.
F: Ist das nicht einfach Shrinkflation?
A: Nein. Das ist Shrinkflation mit Tarnumhang.
F: Warum merkt man das erst so spät?
A: Weil man beim Einkaufen selten Roulette spielt – man will einfach Ware.
F: Wer trägt das Risiko?
A: Du. Der Preis ist fix, der Inhalt flexibel. Jemand muss ja flexibel sein.
F: Und wenn ich mich ärgere?
A: Dann liegt das an Deiner Erwartungshaltung. Der Inhalt war korrekt deklariert.
F: Gibt es auch Vorteile?
A: Ja. Du lernst, Preise zu lesen wie Kleingedrucktes.
Wenn du beim Lesen genickt, gelacht oder innerlich „JAAAA“ gerufen hast: Willkommen in der Anti-Goldtüten-Akademie – da warten noch mehr Entlarvungen. (im Shop) 😉